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Ein Radjournal von Brügelmann

Trek Emonda SL6 Disc im Thüringer Wald
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Biketest: Trek Émonda SL 6 Disc Rennrad

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Biketest: Trek Émonda SL 6 Disc Rennrad

Das Émonda SL6 Disc ist eine Bergziege mit Komfort und Rennambitionen. Wir sind es im Thüringer Wald Probe gefahren.

Brügelmann Blog 14. August 2019 8 min.

Sich die windigsten Berge hochkämpfen, adrenalingeladen wieder nach unten ballern, lange, epische Ausfahrten, bei denen man den ganzen Tag im Sattel sitzt: All das lässt das Herz aller Rennradfans höherschlagen und sorgt für nachhaltige Erinnerungen. Mit dem Trek Émonda SL 6 Disc soll das alles und noch mehr möglich sein. Trek verspricht mit dem leichten und trotzdem steifen Rahmen Spaß am Berg und auf der Langstrecke, Renntauglichkeit und bei Bedarf sogar die Möglichkeit, auf Abwegen unterwegs zu sein. Ist das Émonda also ein echter Allrounder? Wir haben das ausgiebig untersucht.

Das Trek Emonda SL 6 im Detail

Das Émonda wurde von Trek erstmalig im Jahr 2014 vorgestellt. Schon in der ersten Baureihe ging es darum, nicht irgendein Rennrad zu bauen. Damals wurde das Émonda als „leichtestes Serienrad der Welt“ betitelt. Damit war also auch klar, wo das Rad sein zu Hause hat, nämlich an den Kehren und Pässen dieser Welt. Durch seine renntaugliche, aber dennoch komfortable Geometrie konnte das Rad seitdem viele Fans gewinnen. Im Jahr 2018 stellte Trek dann endlich sein neues, beziehungsweise seine zwei neuen Èmonda-Modellreihen SL und SLR vor. Das Émonda SL ist dabei das preisorientierte Modell. Es kommt aus derselben Rahmenform wie das SLR, ist durch die Verwendung anderen Carbonmaterials aber ein wenig schwerer. Es ist in verschiedenen Ausstattungsvarianten mit Scheiben- oder Felgenbremse verfügbar.

Trek Emonda SL6 Disc im Thüringer Wald
Das Gesamtbild ist absolut stimmig und überzeugend

Rahmen, Gabel und Geometrie

Das Émonda ist ein Rennrad, das mit besonderem Augenmerk für den Einsatz am Berg, aber auch für den Wettkampf konzipiert wurde. Dementsprechend ist die Geometrie ein guter Mix aus komfortabel und sportlich. Das passt auch zum verwendeten Carbonrahmen, der sich durch Steifigkeit und Komfort verdient macht. Dieser besticht durch eine sehr ausgewogene Mischung aus Leichtbau, Steifigkeit und Komfort, bei dennoch großer Stabilität. Im Gegensatz zum ähnlich aufgebauten Trek Domane ist die Geometrie allerdings nicht alleine auf Komfort ausgelegt, sondern eben auch für Rennen optimiert. Trotzdem nimmt man auf dem Bike keine reine Race-Position ein. Die Geometrie ist also in vielerlei Hinsicht eine ausgewogene und fein abgestimmte Mischung für fast alle Lebenslagen.

Die Geometrie ist in vielerlei Hinsicht eine ausgewogene und fein abgestimmte Mischung für fast alle Lebenslagen.

Der Rahmen verfügt weiterhin über innen verlegte Brems- und Schaltzüge mit Ausnahme der Gabel. Selbst die bei anderen Rädern oft außen verlegte hydraulische Leitung für die hintere Scheibenbremse verläuft durch den Rahmen. Der Lack des Émonda SL 6 Disc ist eine Augenweide für alle die subtil und dennoch besonders schätzen. Er besticht durch ein matt-silber-bronzefarbenes Finish, das je nach Lichteinfall mehr oder weniger metallisch wirkt. Gekrönt wird dies durch ästhetisch in Szene gesetzte Streifen mit schwarzem Metallic-Effekt am Oberrohr und der Kettenstrebe sowie dem Trek Schriftzug. Der „Ride Tuned“-Sitzturm ist ebenfalls ein Hingucker. In gewisser Hinsicht dreht dieser Sattelschaft, der Teil des Rahmens ist, das konventionelle Konzept einer Sattelstütze um und sorgt damit für mehr Komfort, geringeres Gewicht und somit bessere Performance.

Anbauteile

Am Émonda SL 6 Disc sind, wie der Name vermuten lässt, Scheibenbremsen verbaut, die mit unauffälligen Flatmount-Aufnahmen dezent in Rahmen und Gabel integriert sind. Diese kommen ebenso wie alle anderen Antriebsteile aus der aktuellen Shimano Ultegra R8000. Die Übersetzung ergibt sich aus einer Zweifachkurbel mit 50 und 34 Zähnen vorn, sowie einem Kassette mit einer Bandbreite von elf bis 28 Zähnen hinten. Alle anderen Anbauteile kommen – typisch für Trek – von der Eigenmarke Bontrager. Auch die Laufräder kommen aus dem eigenen Hause: Am Trek Émonda SL 6 Disc sind Bontrager „Paradigm Disc Tubeless Ready“-Laufräder mit 12-mm-Steckachse installiert. Darauf rollt der R2 Hard-Case Lite Reifen von Bontrager mit einer Breite von 28 Millimetern.

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Fahreigenschaften und Testeindruck

In der Theorie klingt das Émonda also nach einem richtig guten Paket. Wie verhält es sich aber in der Praxis? Wir haben das Rad ausführlich getestet und zwar sowohl in den Bergen als auch im Flachland. Eins ist dabei ganz klar geworden: Auf diesem Fahrrad fühlt man sich wohl und zwar vom ersten Augenblick an. Die Geometrie wirkt erst einmal stimmig. Schon komfortabel, aber mit sportlich-rasant-zackigen Fahreigenschaften. Die ersten Kilometer machen also Lust auf mehr. Aber ob dieses Gefühl auch nach drei Stunden im Sattel noch so ist? Daher geht es mit dem Bike ab in den Thüringer Wald.

Trek Emonda SL6 Disc im Thüringer Wald
Jede Kehre ist ein Freudenrausch

Auf den zum Teil ruppigen Straßen Thüringens können wir gleich den Komfortgewinn der Sattelstützenkonstruktion und des exzellenten Rahmens spüren. Sowohl auf den mit Pflastersteinen übersäten Abschnitten als auch auf den abgefahrenen und an einen Flickenteppich erinnernden Dorfstraßen rollt das Rad mit Leichtigkeit. Die Stöße werden tatsächlich merklich absorbiert. Dafür sind natürlich auch die Reifen mit ihrer breiten Auflagefläche verantwortlich. Auf den hervorragend ausgebauten Radwegen gleitet man förmlich dahin, mit einer Leichtigkeit, welche die Kilometer einfach dahin schmelzen lässt.

Der Sattel verteilt das Gewicht optimal über das komplette Gestell und wirkt in keiner Weise unbequem.

Besonders positiv sind wir von den beiden Kontaktstellen Lenker und Sattel aus dem Hause Bontrager überrascht. Der Sattel verteilt das Gewicht optimal über das komplette Gestell und wirkt in keiner Weise unbequem, wie es bei vielen anderen Standardsätteln der Fall ist. Trotz unserer doch recht anspruchsvollen Sitzknochen können wir keine Druckstellen ausmachen. Noch besser gefällt uns nur der Lenker und das Lenkerband. Einen dermaßen angenehmen und sicheren Griff konnten wir bei unseren Tests wirklich selten feststellen. Auch hier findet eine sehr gute Druckverteilung statt. Zu keiner Zeit begannen unsere Hände taub zu werden oder Druckstellen zu entwickeln. Außerdem fühlte sich die Unterlenkerposition so bequem an, dass es möglich war diese über viele Kilometer zu halten.

Trek Emonda SL6 Disc Steuerrohr und Lenker
Ein Cockpit, welches uns mehr als überzeugt hat

Am Berg verhält sich das Émonda SL 6 Disc ebenfalls – wie erwartet – ausgezeichnet. Auch wenn oft behauptet wird, dass das Systemgewicht insgesamt eine Rolle spielt und nicht nur das des Bikes, macht es mindestens für das Gefühl einen enormen Unterschied, wie leichtfüßig sich ein Rad am Anstieg anfühlt. Das Émonda überzeugt uns jedes Mal, wenn es bergauf geht. Jede Kehre stimmt uns vergnügter und jede Hürde können wir mit Leichtigkeit bezwingen. Selbst den steilsten Straßenanstieg Deutschlands in Deesbach/Thüringen haben wir gepackt – zugegeben mit der allerletzten Kraft. Für erfahrene und ambitionierte Bergfahrer*innen ist die Übersetzung absolut in Ordnung. Hinten wäre für den Hobbyfahrer*innen eine Übersetzungsbandbreite von elf bis 32 Zähnen (statt nur bis 28) vielleicht besser. Die Berge und Hügel kommt man zwar auch mit dem 28er Ritzel hoch, aber ein paar Zähne mehr würden dies doch deutlich entspannter machen. Am Berg ist das aber wirklich die einzige Kritik, die wir anzubringen haben. Ein Punkt, der Geschmacksache ist und dem man ziemlich einfach Abhilfe schaffen kann.

Trek Emonda SL6 Disc Duotrap Trittfrequenzsensor
Auch an cleveren Details wurde nicht gespart, wie hier eine Einfassung für den Geschwindigkeits- und Trittfrequenzsensor

Von den vielen anderen Kilometern, welche wir mit dem Bike gesammelt haben, können wir sonst nur Positives berichten. Das Émonda liefert vom ersten Moment an ein geschmeidiges Fahrgefühl, das bis zum letzten Meter bleibt. Wenn wir mit dem Rad unterwegs waren, haben wir auch immer Bewunderung geerntet. Denn in seiner Erscheinung ist das Émonda absolut ein Hingucker, ja sogar ein „Hinhörer“: Als wir damit an einer Gruppenausfahrt teilnahmen, die im Dunkeln begann, rief das Rad diese Bemerkung hervor: „Das klingt aber nach einem verdammt leichten Fahrrad”. Obwohl das SL6 Disc mit seinen 8,2 Kilogramm eigentlich nicht zu den absolut leichtesten Rädern zählt, fühlt es sich doch genauso an. Daraus ergibt sich eine Mühelosigkeit, mit der es Spaß macht, zwischendurch einfach mal aus dem Sattel zu gehen, um die eigene Segmentbestzeit anzugreifen oder einen kleinen Ortsschildsprint anzuzetteln.

Trek Emonda SL6 Disc Steuerrohr
Weniger ist mehr. Nur ein Zierstreifen und das Trek-Wappen reichen aus, um aus einem Fahrrad eine Augenweide zu formen.

Aber nicht nur bergauf, sondern auch auf Abfahrten macht das Trek einen Heidenspaß. Das Handling ist auf schnellen Abfahrten sicher und stabil. Die Scheibenbremsen der Ultegra-Reihe machen einen extrem guten Job, man fühlt sich absolut sicher. Als wir wieder einmal, gefesselt von der Leichtigkeit des Rads, im Nebel fahrend das Ende des Radwegs übersahen, kamen wir trotzdem noch sicher vor dem Graben zum Stehen. Ein unfreiwilliger Test der Bremsen und des Handlings, die sich als absolut erstklassig erwiesen. Aber auch die Schaltperformance lässt keine Wünsche offen, die Ultegra-Komponenten machen einen sehr guten Job. Neben den Gangwechseln vorne klappen auch die Ritzelsprünge hinten reibungslos und leichtgängig. Aber auch der „Zwischengang“ des Umwerfers für die kleinsten, beziehungsweise größten Ritzel, ist immer einfach zu finden.

Trek Emonda SL6 Disc im Thüringer Wald
Abfahrten machen mit dem Émonda mindestens genau so viel Spaß wie Aufstiege

An einem Rennen konnten wir mit dem Trek Emonda – leider – nicht teilnehmen. Trotzdem haben wir versucht, diese Situation ebenfalls zu testen, in dem wir ein paar harte Intervalle gefahren sind. Dies klappte nicht nur außergewöhnlich gut, sondern machte auch wahnsinnigen Spaß. Nach engen Kurven, die wir ordentlich knackig durchfahren sind, haben wir im Anschluss gleich einen Sprint angesetzt. Außerdem sind wir versucht gewesen, einige unserer Segmentzeiten zu knacken. Beides hat hervorragend funktioniert. Des Weiteren sind wir sogar manchmal aus Versehen von asphaltierten Wegen abgekommen, ohne dass wir absteigen mussten. Denn auch Wirtschaftswege und vom Laub verdeckte Wegstrecken konnten wir mit dem Émonda sicher befahren. Die maximale Reifenbreite von 32 Millimetern lässt diesen Komfortgewinn zu.

Fazit

Das Trek Émonda SL 6 Disc ist ein universell einsetzbares Straßenrennrad mit fantastischen Fahreigenschaften. Sowohl bei Auf- und Abfahrten, als auch auf langen Touren macht das Fahrrad Spaß und bietet eine tolle Ausstattung mit einer ausgeglichenen Handhabung. Durch die große Reifenfreiheit ergibt sich ebenfalls ein super Komfortgewinn. Darüber hinaus ist das Bike absolut renntauglich und durch seine Agilität für jeden Ortsschildsprint aber auch die Startlinie von Jedermannrennen einsatzbereit. Die herausstechende Optik des Émonda ist Zucker für die Augen, allerdings bedarf der kratzeranfällige Lack ein wenig mehr Aufmerksamkeit.