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Ein Radjournal von Brügelmann

Zwift KISS Super League
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Radprofi 2.0 – Die KISS Super League auf Zwift.

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Radprofi 2.0 – Die KISS Super League auf Zwift.

Mit der KISS Super League geht das Radsport-Onlineportal Zwift einen Schritt weiter. Aus der reinen Simulation werden waschechte Radrennen 2.0 – Profis inklusive.

redaktion 19. April 2019 17 min.

Mit der KISS Super League geht das Radsport-Online-Gaming-Portal Zwift einen Schritt weiter. Bisher fuhren „Jedermänner” und Frauen virtuell gegen- und miteinander und auch einige Profis konnte man hier und da beim Training entdecken. Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter. Aus dem reinen Trainingssimulator wird ein waschechtes Fahrradrennen. Dazu holt Zwift sich einige Profiteams ins Boot.

Zwift KISS Super League

Mit dieser Entwicklung gibt es eine komplett neue Situation in der Radsportwelt. Die großen und prestigeträchtigen Rennen finden nicht mehr nur noch auf den realen, sondern ab jetzt auch auf virtuellen Straßen statt. Wir haben uns dem Phänomen Zwift einmal von verschiedenen Seiten angenähert: von der persönlichen, von der des deutschen Zwift Territory-Managers Kai Rapp und der von Tanja Erath, Radsportlerin, die durch Zwift einen Profivertrag ergattern konnte.

Es muss Anfang der 90er Jahre gewesen sein, als mein Vater freudestrahlend vom Kaufhaus nach Hause kam und uns seine neueste Errungenschaft präsentierte. Es war ein großes, schwarzes und äußerst klobiges Gerät, welches er aus der Verpackung zerrte. Seinem roten Kopf zufolge musste es außerdem ziemlich schwer sein. Meine Mutter und ich wussten nicht so ganz genau, wie wir reagieren sollten. Wir wussten anfangs eben auch nicht so ganz genau, was mein Vater da gekauft hatte.

Abgesehen davon wussten wir auch nicht, wieviel Geld er dafür im Kaufhaus liegen ließ. Nach ein paar Minuten freuten wir uns dann alle drei: Mein Vater, weil er es geschafft hatte das Ding aufzubauen. Ich, weil ich verstanden hatte was es war und meine Mutter, nun die freute sich einfach, weil wir uns freuten. „Das ist ein Heimtrainer!“ So nannte mein Vater damals das, was eigentlich ein Fahrradergometer war. Er ließ auch gar nicht noch mehr Zeit verstreichen, setzte sich auf das Gerät und strampelte sofort los. Nach circa zehn Minuten allerdings war er schon wieder abgestiegen und keuchte.

Alter Hometrainer
Voll vintage. Ein altes Bild unseres treuen Gefährten. Er hat uns viele gute Dienste erwiesen, Training gehörte nur selten dazu.

Auch ich versuchte mein Glück ab und zu mit dem „Heimtrainer“. Aber auch ich hielt nie länger als zehn Minuten auf dem Wohnzimmer-Fahrrad aus. Ich schwitzte wie ein Wasserfall und meine Motivation erneut auf das Eisenschwein zu steigen, sank von Mal zu Mal. Ziemlich genau so ging es meinem Vater. Zuerst stand das Gerät noch an einer sehr präsenten Stelle im Wohnzimmer. Stück für Stück bewegte es sich immer weiter aus dem Sichtfeld, wechselte dann den Raum und zuletzt die Funktion. Aus dem ehemaligen Fitnessgerät wurde eine Wäscheablagestelle im Bügelzimmer. Manchmal nutzte es mein Vater aber auch noch, um seine Hemden daran aufzuhängen. Das war also mein Einstieg in die Welt des Indoortrainings.

Startaufstellung des Team Wiggins Le Col
Die Startaufstellung vom Team Wiggins Le Col beim ersten Rennen der KISS Super League. Diese Aufstellung wird das ganze Rennen über bleiben.

Als ich meinem Rennradkumpel Maik vor etwa drei Jahren dabei zusah, wie er einen großen Karton auspackte, fühlte ich mich unweigerlich in die Situation aus meiner Kindheit zurückversetzt. Er strahlte ebenso stolz wie mein Vater damals und verkündete: „Das ist ein Smarttrainer!“ Ich glaubte aus der Vergangenheit gelernt zu haben und freute mich zwar mit ihm, doch insgeheim war ich der festen Überzeugung: in zwei Monaten steht das Ding in der Ecke. Klamotten werden darauf trocknen.

Doch dann schob er neben seinem Fahrrad einen Tisch ins Zimmer. Darauf stand sein Computer. Auf meine verwunderte Frage, was er damit wolle, antwortete er: „Na zwiften!“ Wie ich später gelernt habe ist Zwift eine Art Online-Spiel, bei dem man aber keine Fahnen erobert oder Siedlungen errichtet. Man fährt in einer virtuellen Welt mit anderen Fahrern zusammen Fahrrad und bei Bedarf sogar um die Wette. Um in die Zwift-Welt eintauchen zu können, benötigt man ein paar technische Hilfsmittel (siehe Infobox am Ende).

Live Übertragung des Virtuellen Rennens inklusive Wattzahlen
Die Live-Übertragung macht es möglich im Pulk selbst dabei zu sein und zu sehen, wer wieviel Watt tritt.

Seit dieser Zeit hat sich viel getan. Maik fährt immer noch auf seiner Rolle, ich trainiere auch wieder regelmäßig indoor und Zwift ist eine nicht mehr wegzudenkende Größe im Fahrradsegment. Mittlerweile ist die Marke Zwift sogar so bedeutend, dass sich vier UCI Continental Profiteams für die erste professionelle Online-Radsport-Liga verpflichteten. Darum haben wir mit Kai Rapp, dem Zwift-Verantwortlichen für den deutschsprachigen Raum, gesprochen und ihn gefragt was Zwift ist, wie es in wenigen Jahren so populär werden konnte und was die neue KISS Super League ist.

Interview mit Kai Rapp

Zwift Verantwortlicher Kai Rapp
Kai Rapp ist der Zwift verantwortliche für den deutschsprachigen Raum.

BB: Hallo Kai, in einem Satz: Was ist Zwift?

K.R.: Zwift ist eine gamingbasierte Trainingssoftware und zugleich ein digitales Reiseziel, eine Unterhaltungsplattform und ein soziales Netzwerk für die Fitness-Community.

BB: Warum sollte ich es nutzen?

K.R.: Man sollte Zwift nutzen, um fitter zu werden, beziehungsweise seine persönlichen Fitnessziele zu erreichen und dabei großen Spaß zu haben. Unsere Mission lautet „Ernsthaftes Training zum Vergnügen machen“.

BB: Ist Zwift ein E-Sport?

K.R.: Wenn wir die Definition des Deutschen eSport-Bundes zugrunde legen, dann erfüllt Zwift alle Kriterien für einen eSport. Mittlerweile gibt es klassische eSports und physical eSports. In diesem Sinne ist Zwift ein schweißtreibender, gesundheitlich fördernder und tatsächlicher eSport, der sich Gaming-Technologien bedient.

BB: Was sind die Unterschiede zwischen Radfahren auf Zwift und draußen?

K.R.: Zwift ist im Zusammenspiel mit den verschiedenen Rollenherstellern ständig bemüht, seine Algorithmen so anzugleichen, dass die Abweichung des rein mechanischen Fahrgefühls auf ein Minimum reduziert wird. Insofern sind die Hauptunterschiede im brems- und steuerungsfreien Fahren zu sehen.

BB: Was ist die Zwift Academy?

K.R.: Im Radsport – es gibt auch eine Academy für Triathleten – ist die Zwift Academy ein achtwöchiges Scouting-Programm, dass über acht Workouts, vier Group Rides und zwei Rennen Radsportalente sondiert, von denen drei in sogenannten Finals um begehrte Profi-Vertäge im U23 Team von Dimension Data (Männer) und im Frauen Team von Canyon – SRAM kämpfen. Die Deutsche Tanja Erath hat 2017 einen solchen Platz erkämpft. Vor dem Hintergrund, dass sie eigentlich ihre Karriere als Ärztin starten wollte und jetzt ganz unverhofft ihren heimlichen Lebenstraum leben kann und sich bisher in ihrem Team auch sehr gut behaupten konnte, ist das schon sehr bemerkenswert.

BB: Was ist die KISS Super League und worin liegt der Unterschied zur Academy?

K.R.: Die KISS Super League ist die erste Sportliga, in der Profisportler aus dem realen Profisport vertreten sind. Vier Pro Continental-Teams, neun UCI Continental-Teams und zwei Teams aus der Zwift-Community bilden die 15 Teams der Männer-KISS-Super League. Die Women´s KISS Super League, besteht aus sechs Profi-Frauenmannschaften und zwei Zwift-Community-Teams. Die KISS Super League läuft über zehn Wochen.
Es wird auch noch eine Zwift Community League geben, an der jeder teilnehmen kann, aber nur Jedermann-Teams mit einer Mannschaftsstärke von mindestens vier bis maximal acht Personen gewertet werden.
Der Unterschied besteht darin, dass die KISS Super League eine Renn-Serie ist, während die Academy ein Scouting-Programm ist, welches den Teilnehmern die drei Facetten von Zwift (Workout, Ride, Race) vermittelt.

BB: Wird es bald zwei Sparten von Rennradprofis geben? Die auf Zwift und die auf der Straße?

K.R.: Davon ist fast auszugehen, da Zwift-Rennen ein ganz eigenes Format und einen eigenen Charakter haben und eher im Kriteriums-Bereich anzusiedeln ist.

BB: Kann man von zu Hause aus nicht einfach betrügen, mechanisch wie biologisch?

K.R.: Der Übergang vom bewußten Betrügen durch zu niedrige Gewichtsangabe zu beabsichtigter und unbeabsichtigter Fehlkalibrierung des Smart Trainers ist fließend.

BB: Was wird noch in Zukunft kommen?

K.R.: Der Bau von eigener Hardware ist derzeit nicht geplant. Wir freuen uns, dass es mit den Smarttrainer- und Laufband-Herstellern eine für beide Seiten sehr erfolgreiche Win-Win-Situation gibt. Mit Rudern darf zu rechnen sein. Es wird aber noch einige Monate dauern. Bezüglich der Weiterentwicklung des Liga-Betriebes sollte man die jüngste Personal-Akquise von Zwift berücksichtigen. Wir konnten den ehemaligen Marketing-Direktor der englischen Premier-League, Craig Edmondson für Zwift gewinnen.

BB: Kritisch gefragt: Ist Zwift nur Trainieren oder hat das noch was mit Fahrradfahren zu tun?

K.R.: Zwift ist und bleibt ein Indoor-Sport, der in der Regel – mit sehr wenigen Ausnahmen der Smartbikes – auf den Fahrrädern betrieben wird, mit denen man auch outdoor fährt. Aufgrund der mittlerweile sehr guten Funktionsweise der Smarttrainer wird einem ein von den Belastungen her sehr realistisches Fahrgefühl vermittelt. Jeder User muss für sich entscheiden, ob er das als Fahrradfahren bezeichnet. Ich persönlich finde den in der Szene gerne verwendeten Begriff „Zwiften“ besser kennzeichnend, weil er keine Mißverständnisse aufwerfen kann.

BB: Ende 2017 hat Zwift die Preise deutlich erhöht. Warum?

K.R.: Zwift hat seine monatliche Mitgliedschaft bereits im Dezember 2017 erhöht. User, die vor diesem Datum Zwift-Abonnenten waren, wurden ein Jahr lang ge-grandfathered, also subventioniert. Insofern muss man berücksichtigen, was im vergangenen Jahr alles passiert ist, was man also für die 5 Euro mehr erhalten hat. Es gibt zum Beispiel zwei neue Welten (New York und Innsbruck). Außerdem wurden viele Funktionen neu aufgenommen und erweitert. Dazu zählen etwa Cloud-basierte Workouts, die Meet-up-Funktion aber auch die (Weiter)Entwicklung von Zwift Run.
Um all diese Dinge umzusetzen, ist aus einem kleinen, bescheidenen Team, dessen Mitglieder alle an einen Tisch passten und eine Mahlzeit teilen konnten, ein großer Personalstamm mit Programmierern, Künstlern, Designern, Testern, Community-Managern, Trainern und einem rund um die Uhr verfügbaren und vielsprachigen Support-Team gewachsen. Auch die Technologie muss der immer weiter wachsenden Anzahl der Zwifter angepasst werden, sodass zu Amazon-Servern gewechselt wurde.

Zwift KISS Super League Live Stream auf der Leinwand
Auf der Leinwand und im Internet wird das online Rennspektakel live übertragen.

Die Diskussion um Zwift

Die Diskussion darüber, ob Zwift gut oder schlecht ist, erinnert zuweilen an die Debatten über E-Bikes oder Strava. Fest steht: Mehr als 1,1 Millionen Menschen sind bei der Plattform angemeldet, in Deutschland allein sind es fast 60.000. Darunter viele professionelle Athleten wie André Greipel oder der Triathlet Lionel Sanders, der fast ausschließlich mit Zwift trainiert, sowohl Radfahren wie auch Laufen. Wer bereit ist Geld (monatlich 15 Euro für Zwift plus die Anschaffung eines Smarttrainers) in die Hand zu nehmen, der findet beim Indoortraining zahlreiche Vorteile.

Für mich ist das wichtigste Argument die Sicherheit. Wer wie ich schon mal im Krankenhaus lag, weil er übersehen wurde, dem leuchtet das Argument vermutlich ebenfalls ein. In der Welt von Zwift gibt es keine lebensbedrohlichen Situationen. Noch dazu ist der Kühlschrank (für den Sommer) und die Heizung (im Winter) in der Nähe. Für Fahrer, die nicht einfach nur gern Fahrradfahren, sondern strukturiert trainieren wollen, ist Zwift mit seinen Trainingsprogrammen eine tolle Hilfe. Man kann auf der Rolle sekundengenau Wattwerte einhalten und Intervalle durchbolzen, bis eben die Zeit abgelaufen ist und nicht die nächste Ampel auf rot springt.

Zuschauer beim Zwift Profirennen
Publikum gibt es bei den virtuellen Profirennen auch. Der Vorteil ist sie sehen die Stars die ganze Zeit, statt für nur eine Sekunde an sich vorbeirauschen.

Der Hashtag #outsideisfree kann wohl am besten auf die andere Seite der Medaille verweisen. Denn immerhin ist Radfahren ja auch noch mehr als einfach Bewegung auf dem Fahrrad. Das Erleben von Natur, draußen sein und neue Eindrücke gewinnen, das geht nicht vorm Fernseher oder dem Laptop. Wenn der Wind um die Nase weht, dann ist das eben doch ein anderes Gefühl, als wenn das der Ventilator macht. Ein Plausch mit dem Rennradkumpel ist einfach auch was anderes, als eine Chatnachricht. Und wenn ich ehrlich bin, angefangen viel und gern Radzufahren habe ich nicht, weil ich so viele Watt wie möglich pro Kilogramm Körpermasse treten wollte.

Die Magie des Augenblicks, der Flow und der Rausch, das alles hat meine anfängliche Freude zur Leidenschaft gemacht. Und das kann ich eben nur erleben, wenn ich draußen bin. Dabei ist es eigentlich auch egal ob ich meine Hausrunde mit 55 Kilometern und 600 Höhenmetern fahre, Samstagmorgen die 14 Kilometer zu meinem Lieblingsbäcker oder mit meinen besten Freunden eine Alpenüberquerung. Im Gegensatz zum Indoortraining wird jede Minute mehr auf dem Rad in Glücksgefühl umgemünzt.

Kontrast zum Fahren auf der Zwift Rolle - draußen beim Graveln auf Mallorca
Ungefähr das Gegenteil von Zwift. Draußen sein, die Landschaft genießen und sich ordentlich einsauen: Fahrradfahren halt.

Aber dennoch habe ich auch im letzten Herbst wieder meinen Smarttrainer aufgebaut und Zwift dafür eingerichtet. Denn zur Wahrheit gehört auch: Ich bin einfach eine Frostbeule, sowie Familienvater. Diese beiden Umstände sprechen – für mich – einfach für eine Rolle im Keller, im Wohnzimmer, im „Pain Cave” – wo auch immer. Denn noch viel, viel schlimmer, als auf der Rolle zu fahren ist es, auf der Rolle ohne Zwift zu fahren. Aber das Allerallerschlimmste ist es für mich, überhaupt kein Fahrrad zu fahren.

Insofern kann ich zwar mit Zwift nicht das gleiche Gefühl wie draußen erzeugen, aber ich bleibe auch über den Winter fit. Dann fange ich im Frühling, bei den ersten warmen Sonnenstrahlen, nicht bei null an und habe mir bei Zwift zusätzlich noch ein paar schöne Sachen (wie digitale Trikots oder Laufräder durch das Sammeln von Kilometern (siehe dazu auch die Infobox)) freigeschaltet, bezeiungsweise freigefahren. Nebenbei bemerkt, meine Frau war Anfangs alles andere als begeistert. Kürzlich mussten wir aber einen Belegungsplan für den Smarttrainer festlegen, weil es immer wieder zu Streitereien wegen der individuellen Nutzungsdauer kam. Jetzt stacheln wir uns gegenseitig an, um das nächste Level freizuschalten.

Tanja Erath war vor ihrer Karriere als professionelle Radfahrerin professionelle Ärztin. Durch die Zwift Academy, hat sie 2017 einen Profivertrag beim Team Canyon SRAM erkämpft.

Wir haben mit ihr über Zwift gesprochen:

BB: Hallo Tanja,
wann und wie bist du zu Zwift gekommen?

T.E.: Ich hab für die Zwift Academy 2017 mit dem „Zwiften“ angefangen. Eine Freundin hatte mir im Jahr zuvor von der Zwift Academy erzählt.

BB: Wieviel bist du dort früher gefahren?

T.E.: Nur vor der Zwift Academy 2017 bin ich ein paar mal gefahren, um ein bisschen Erfahrung zu sammeln. Da ich keine eigene Rolle hatte, hab ich mir die alte Rolle eines Freundes geliehen.

BB: Und jetzt?

T.E.: Für mich hängt das sehr vom Wetter und von meinem Trainingsplan ab. Im Winter fahre ich gerne und viel Zwift, wenn ich nicht im Trainingslager bin. Die letzten Januarwochen bin ich fast jeden Tag gezwiftet. Außerdem mag mein Trainer die Effektivität der Einheiten auf der Rolle und damit finde ich sie in meinem Plan wieder.

BB: Was gefällt dir bei Zwift besonders gut?

T.E.: Die Einfachheit des Ganzen und dass ich, selbst bei Einheiten ohne Programm, durch die wechselnde Topographie und andere Fahrer Abwechslung und Ansporn habe.

BB: Was ist das schlimmste?

T.E.: Das viele Schwitzen! (lacht)

BB: Es gibt viele Zwift-Kritiker. Was entgegnest du denen bei Aussagen wie:
Das hat mit Fahrradfahren nichts mehr zu tun!

T.E.: Grundsätzlich hab ich nicht das Gefühl, dass ich irgendwen von Zwift überzeugen muss. Wer sich nicht gerne auf eine Rolle setzt, darf gerne draußen fahren. Wenn mich einer nach den Pro Argumenten fragt würde ich sagen: Es ist warm, sicher, effektiv, unabhängig von der Tageszeit und abwechslungsreich.
Um deine Frage trotzdem zu beantworten. Ich würde in diesem Fall wohl entgegnen: Absolut richtig. Radfahren bei Zwift ist nicht mit Radfahren draußen zu vergleichen. Den Anspruch hat Zwift, denke ich, auch nicht. Bahnfahren und Straßenrennen sind auch absolut nicht vergleichbar, aber haben beide ihre Vorzüge. Solange es genug Leute gibt, die es genießen, einem Sport, egal in welcher Form, nachzugehen, dann ist das für mich eine gute Sache. Ich nutze Zwift als ein weiteres Trainingstool in meinem Trainingsalltag und nicht als Alternative zum Draußenfahren.

BB: Warum fährst du nicht einfach draußen?

T.E.: Ich glaube, jeder der schon mal fünf Stunden bei Minusgraden draußen radeln war, weiß zwar, dass es durchaus möglich ist, aber mit Spaß wenig zu tun hat. Ich ziehe es da vor, bei langen Einheiten im Winter zwei Stunden draußen zu fahren und dann nochmal Qualität auf der Rolle anzuhängen. Das ist für mich außerdem ein bisschen, wie danach in die Sauna zu gehen – zumindest was das Schwitzen und das Aufwärmen betrifft. Wer aber lieber kalte Füße mag, der darf kalte Füße haben.

BB: Da kann man doch super einfach betrügen!

T.E.:Betrügen ist ja weniger eine Frage der Art des Sports, des Spiels oder einer bestimmten Sache, sondern eine Frage der eigenen Überzeugung und der Persönlichkeit. Betrügen und das Betrogen werden begegnet einem wohl in jedem Bereich des Lebens, unabhängig davon wie leicht es ist zu betrügen. Grundsätzlich geht man jedoch immer von sich selbst aus und ich würde nicht auf die Idee kommen in irgendeiner Form Andere zu betrügen. Darum begegne ich jedem mit dem (vielleicht naiven) Vertrauen, dass er/sie ebenso auf ehrliche Art und Weise seine/ihre Ziele erreichen möchte und Betrug ebenfalls als Schwäche ansieht.

Tanja Erath bei einem ihrer Profirennen
Durch ihre Leistung bei der Zwift Academy kann Tanja Erath jetzt als Profi, Profirennen fahren. ©WMNcycling

Fazit

Zwift ist also durchaus mehr als reines Indoortraining. Es bietet eine Plattform für gezieltes und sicheres Training, wann und wo man will. Darüber hinaus ist Zwift die Möglichkeit für viele Menschen, mit anderen Sportlern Fahrrad zu fahren. Zwar nur virtuell, aber trotzdem haben sich über die Community bereits viele Radler kennengelernt und auch außerhalb der Zwift-Welt eine Gemeinschaft geschaffen (Zwift-Riders-Germany). Zwift ist also nicht Fahrradfahren oder Radsport im eigentlichen Sinne, aber es erfüllt eben viele Faktoren daraus, macht ebenfalls Spaß und stark. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, ob man an Zwift gefallen findet, oder eben nicht. Im Zweifel rate ich: einfach mal ausprobieren.

Info Box:

Über Zwift: Das Unternehmen kommt aus den USA und wurde dort ab dem Jahr 2013 von Eric Min und Jon Mayfield entwickelt. Seit 2015 ist es nun für alle Spieler, beziehungsweise Fahrradfahrer und Läufer in der Hauptversion verfügbar. Seit seiner Veröffentlichung verzeichnet das Unternehmen einen massiven Nutzerzuwachs.
Was brauche ich für Zwift?
Grundlegend ist ein Rollentrainer nötig. Dieser muss „smart“ sein, das heißt, er sollte mit deinem Handy, Computer oder Tablet koppelbar sein. Es werden dabei zwei Arten unterschieden:
Direct Trainer wie der Tacx NEO SMART Direct-Drive Trainer wo das Hinterrad durch den Smarttrainer ersetzt wird oder marte Rollentrainer wie der Elite Qubo Power Smart B+, in die man das Hinterrad einspannt.
Was kostet es? Smarttrainer kann man ab etwa 250,00 Euro erwerben. Zwift kostet monatlich 15,00 Euro.
Was kann es? Neben dem „einfachen“ Fahren auf den unterschiedlichen Strecken, kann man mit Zwift an „Grouprides“ teilnehmen, also an gemeinschaftlichen Ausfahrten. Daneben gibt es verschiedene Trainingsprogramme und einen FTP-Test, um seine Leistungsfähigkeit zu prüfen. Außerdem kann man eben an der Zwift Academy teilnehmen. Darüber hinaus ist es möglich, seinen eigenen digitalen Radfahrer, zum Beispiel durch Trikots, Fahrräder und Equipment zu individualisieren. Je mehr Kilometer man bei Zwift sammelt, um so größer ist die Auswahl an freigeschalteten Ausstattungsmöglichkeiten für das digitale Avatar und sein Fahrrad.

Über Zwift:

Das Unternehmen kommt aus den USA und wurde dort ab dem Jahr 2013 von Eric Min und Jon Mayfield entwickelt. Seit 2015 ist es nun für alle Spieler, beziehungsweise Fahrradfahrer und Läufer in der Hauptversion verfügbar. Seit seiner Veröffentlichung verzeichnet das Unternehmen einen massiven Nutzerzuwachs.

Was brauche ich für Zwift?

Grundlegend ist ein Rollentrainer nötig. Dieser muss „smart“ sein, das heißt, er sollte mit deinem Handy, Computer oder Tablet koppelbar sein. Es werden dabei zwei Arten unterschieden:
Direct Trainer wie der Tacx NEO SMART Direct-Drive Trainer wo das Hinterrad durch den Smarttrainer ersetzt wird oder marte Rollentrainer wie der Elite Qubo Power Smart B+, in die man das Hinterrad einspannt.

Was kostet es?

Smarttrainer kann man ab etwa 250,00 Euro erwerben. Zwift kostet monatlich 15,00 Euro.

Was kann es?

Neben dem „einfachen“ Fahren auf den unterschiedlichen Strecken, kann man mit Zwift an „Grouprides“ teilnehmen, also an gemeinschaftlichen Ausfahrten. Daneben gibt es verschiedene Trainingsprogramme und einen FTP-Test, um seine Leistungsfähigkeit zu prüfen. Außerdem kann man eben an der Zwift Academy teilnehmen. Darüber hinaus ist es möglich, seinen eigenen digitalen Radfahrer, zum Beispiel durch Trikots, Fahrräder und Equipment zu individualisieren. Je mehr Kilometer man bei Zwift sammelt, um so größer ist die Auswahl an freigeschalteten Ausstattungsmöglichkeiten für das digitale Avatar und sein Fahrrad.