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Ein Radjournal von Brügelmann

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Hörst du das auch? Die ewige Suche nach dem Knarzen …

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Hörst du das auch? Die ewige Suche nach dem Knarzen …

Manche Geräusche gehören beim Radfahren dazu, Knarzen nicht. Eine Ursachenforschung.

Brügelmann Blog 8. Januar 2020 5 min.

„Da! Da ist es wieder! Und ich dachte, ich hätte die Ursache endlich gefunden.“ Wer kennt das nicht: Ein Geräusch macht sich breit und bereitet dem Spaß beim Radfahren ein jähes Ende. Manchmal ist es eher ein Quietschen oder ein Knarzen, manchmal aber auch ein Rasseln oder sogar Klappern. Die Gründe können so vielfältig sein wie die Suche nach der Ursache Zeit in Anspruch nehmen kann. Wir haben uns mal die üblichen Verdächtigen vorgeknöpft und geben Tipps zur Ursachenforschung.

Fahrrad Wartung Kettenblattschrauben
Die Suche beginnt. Woher kommen nur die Geräusche?

Vorgehen

1.  Erstmal abwarten

So schnell ein störendes Geräusch am Fahrrad kommt, so schnell kann es auch wieder gehen. Deswegen gilt die Devise: Nicht gleich die Pferde wild machen. Manchmal ist es wie bei den unbeantworteten E-Mails: Nach einer gewissen Zeit lösen sich die Probleme ganz von alleine. Solange du abwartest, kannst du dein Rad aber schon einmal putzen. Denn ein sauberes Fahrrad ist einfach schöner, leiser und lässt sich bei Bedarf einfacher nach nervigen Geräuschquellen absuchen.

2.  Gebiet eingrenzen

Vorne, hinten, mitte, oben oder unten? Zuerst ist es wichtig zu lokalisieren, wo in etwa das Geräusch auftritt. Achte darauf, dass vor allem Carbonrahmen sehr gut Schall leiten und so verschleiern können, wo ein Geräusch herkommt. Auch, wenn du fest davon überzeugt bist, dass dein Tretlager hinüber ist – es könnte doch der Steuersatz sein.

3.  Zeitpunkt des Geräuschs klar definieren

Das Bike knarzt schon, wenn du nur draufsitzt? Oder erst dann, wenn du voll reintrittst? Da die Belastungen und Kräfte unterschiedlich wirken, kann es helfen zu untersuchen, wann die Geräusche genau auftreten.

4.  Strukturiertes Absuchen und Nachziehen

Hier mal drehen und da mal schrauben führt in der Regel zu keinem Erfolg. Auch wenn es schwer fällt, aber systematisches Suchen führt garantiert eher zum Durchbruch als wahlloses Rumprobieren. Wilder Aktionismus kann auch zu weiteren Problemen führen. Am allereinfachsten ist es deswegen, erstmal alle Schrauben strukturiert, also eine nach der anderen, nachzuziehen. Oder noch viel besser: Alle Schrauben einmal komplett rausdrehen, säubern, einfetten beziehungsweise mit neuer Schraubensicherung beträufeln, und wieder festschrauben. Dabei solltest du unbedingt einen Drehmomentschlüssel verwenden, um alle Schrauben gleichmäßig und nach Herstellerempfehlung anzuziehen.

5.  Vier Ohren hören mehr als zwei

Das Vier-Ohren-Prinzip sollte bei der Suche unbedingt angewandt werden. Denn die eigenen Sinne können auch mal täuschen. Dabei muss das zweite Paar Ohren nicht mal unbedingt vom Fach sein. Der Kollege aus dem Büro, das eigene Kind, oder die Schwiegermutter können ausnahmsweise wirklich mal hilfreich sein.

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Manche Knarzstellen liegen so versteckt, dass man ewig braucht, um darauf zu kommen.

6.  Beim Einfachsten beginnen

Es quietscht beim Treten, also gleich das Tretlager austauschen? Nein, lieber genau andersherum. Wenn du grob lokalisiert hast, von wo das Knarzen kommt und wann es auftritt, dann fang einfach mit der leichtesten Maßnahme an.

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Bevor es ganz speziell wird, kann es schon helfen, die offensichtlichen Stellen zu reinigen und zu schmieren.

7.  Sich bewegende Teile prüfen

Wenn du alle Schrauben einmal durch hast und das Rad trotzdem nicht aufhören will, Krach zu machen, wende dich den rotierenden Teilen zu. Dreh langsam die Räder, Pedale und den Antrieb. Achte dabei nicht nur auf Geräusche, sondern auch auf Spiel in Kugellagern und alles, was nicht rund läuft. Vergiss dabei auch besonders belastete Komponenten wie Sattel, Lenker und die Bremsen nicht.

8.  Die schweren Geschütze auffahren

Du habt das Teil immer noch nicht gefunden, welches diese ekelhaften Geräusche von sich gibt? Dann wird es langsam unangenehm, denn nun musst du dir die schwer zugänglichen Ecken deines Bikes vornehmen. Das heißt zum Beispiel: Das Tretlager ausbauen, säubern und fetten, oder den Steuersatz freilegen und ebenfalls reinigen sowie einfetten. Dabei kannst du diese Teile auch gleich mal nach Schäden überprüfen. Danach natürlich alles wieder ordnungsgemäß zusammenbauen. Falls du einen Dämpfer am Rad hast, ist es nun auch an der Zeit, diesen genauer zu untersuchen.

9.  Teile testweise austauschen

Hast du die grobe Gegend gefunden, wo die Geräusche herkommen? Aber es gibt so viele Möglichkeiten, wo die Ursache des Übels genau liegen könnte? Dann tausch doch das Laufrad, die Kurbel inklusive Pedale oder die Vorbau-Lenker-Kombi mit Schalthebeln einfach mal komplett aus aus. Wenn das Knarzen dann weg ist, kannst du weiter Stück für Stück am Originalteil Sachen austauschen, bis du den Übeltäter gefunden hast.

Das können natürlich alles nur Anhaltspunkte sein, um dem Problem näher zu kommen. Wenn alles nichts hilft, dann empfehlen wir, doch lieber eine Werkstatt aufzusuchen und das Knarzen genau untersuchen zu lassen. In diversen Onlineforen (zum Beispiel hier oder hier) kannst du dir außerdem auch mal ein paar Stunden um die Ohren schlagen, um weitere Ideen zu finden, von wo das Geräusch noch kommen kann.

Fahrrad Wartung horchen
Genaues hinhören ist wichtig! Dafür muss man manchmal auch vom Rad absteigen.

Alternative Lösungsvorschläge

– Schneller als der Schall fahren

– Laut singen

– Musik hören

– Das Bike mit einem Kumpel tauschen

– Neues Fahrrad kaufen (wir wüssten da einen guten Onlineshop 😉

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Wie ein Schwein, das ins Uhrwerk schaut: Manchmal knackt das Rad so hartnäckig, dass man am liebsten die Flinte ins Korn werfen möchte.

Knarzen, Quietschen und Klappern nerven. Mit einer strukturierten Suche lässt sich der Problemherd aber meistens finden. Oftmals sind es die offensichtlichsten Dinge. Einige Teile am Bike haben sich über die Jahre als Geräuschgeber Nummer eins herauskristallisiert. Wenn man aber irgendwann einfach mit dem eigenen Latein am Ende ist, muss man wohl oder übel ein bisschen Zeit investieren, strukturiert arbeiten und, wenn es alles nicht hilft, vielleicht sogar mal einen Fachmann aufsuchen.