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Ein Radjournal von Brügelmann

Home / Test & Technik / Biketest: Rondo HVRT ST – Mehr als nur ein Gravelbike.

Biketest: Rondo HVRT ST – Mehr als nur ein Gravelbike.

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Biketest: Rondo HVRT ST – Mehr als nur ein Gravelbike.

Rondos neues Gravelbike HVRT ST bietet viele Anpassungsmöglichkeiten an die jeweiligen Bedingungen. Wir haben das in Mallorca ausprobiert.

redaktion 16. April 2019 10 min.
Gravel Trails auf Mallorca
So sieht Gravel auf Mallorca mit dem Rondo HVRT ST aus…

Wer sich für ein Fahrrad entscheidet, der entscheidet sich in der Regel für genau ein Fahrrad. Das Konzept von Rondo’s neuem Gravelbike HVRT ST ist ein Höchstmaß an Variabilität und bietet enorm viele Möglichkeiten, das Bike an die jeweiligen Bedingungen sowie Ansprüche anzupassen – Zwei Bikes in einem, sozusagen. Wir haben das vermeintliche Universalrad mit nach Mallorca genommen, um es dort bei unterschiedlichsten Untergründen und Anforderungen zu testen. Hält das HVRT, was es verspricht?

Felsige Trails, perfekt zum Gravel, hat Mallorca viele zu bieten
… felsig und steinig.

Über Rondo

Die Marke Rondo selbst gibt es zwar erst seit wenigen Jahren, ihr Schöpfer ist allerdings schon sehr lange bekannt wie ein bunter Hund. Der in London aufgewachsene Szymon Kobylinski ging nach seiner Rückkehr ins polnische Gdansk zuerst seiner Leidenschaft für Musik nach. Er spielte Gitarre in der Punk-Rock-Band „Blenders“, bevor er mit der Fahrradvertriebsfirma „7ANNA” ins Bike-Business einstieg. Neben seiner Show-Karriere fuhr er aber auch immer noch Downhillrennen, bei denen er auf nationaler Ebene immer ganz vorn mit dabei war. Folgerichtig gründete er die Mountainbikemarke „NS-Bikes“, die vor allem Bikes für die Gravity-Disziplinen herstellt. Peu à peu entdeckte Szymon eine neue Leidenschaft für das Fahren auf der Straße und daneben. So gründete er kurzerhand die Marke Rondo unter dem Motto „Stop fcking around“ und stellt seitdem Fahrräder her, die vor allem vielseitig sein und Spaß machen sollen. Egal, ob man eben auf der Straße oder daneben unterwegs ist.

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Allgemeine Bike Infos

Die Geometrie zwischen Hi und Lo lässt sich einfach anpassen
Hi und Lo, damit lässt sich die Geometrie des Rondo anpassen.

Das Rondo HVRT ST bietet verschiedene Möglichkeiten, die man bei anderen Bikes vermisst oder die sogar einmalig sind. Ein großer Vorteil des Fahrrads ist die Möglichkeit, breite Reifen, genauer gesagt 32 mm breite Reifen, zu montieren. Das reicht für viele Gelegenheiten schon aus. Will man aber richtig Off-Road gehen, ist das schnell nicht mehr genug. Gut also, dass man mit dem Rondo auch 650b- (27,5 Zoll-)Laufräder und Reifen mit einer Breite bis zu 47 mm fahren kann (die 27,5-Zoll-Laufräder und Reifen müssen extra erworben werden). Dies allein gibt einem schon eine immense Spanne an Einsatzmöglichkeiten.

Noch universeller wird das HVRT allerdings noch durch eine einzigartige Technologie mit dem Namen „TWINTIP“. Dieses in die Gabel integrierte System ermöglicht ein Anpassen der Geometrie des Rades, zum einen an den Fahrer, zum anderen aber auch an das Einsatzgebiet. So ist es möglich, für Wettkämpfe sportlicher oder für lange Touren komfortabler zu sitzen. Einfach nur durch das Herumdrehen des „FlipChip“ in der Gabel.

Der Flip Chip fällt von außen kaum auf
Von außen fällt der FlipChip kaum auf.

Mit dem HVRT besteht also die Möglichkeit, innerhalb von wenigen Minuten ein waschechtes Gravelbike mit richtig dicken Schlappen und entspannter Sitzposition umzubauen, zum Beispiel zu einem Straßenrenner für ein Jedermannrennen. Mit zwei Laufradsätzen (einem 650b und einem 700c) und dem FlipChip sind diese beiden Extreme möglich. Aber auch alles dazwischen können die Einstellvariationen abdecken. Für einen Preis von knapp 2.400 Euro bekommt man also mehr als nur ein Fahrrad. Aber geht das überhaupt, diese vielen Welten in einem Fahrrad zu vereinen? Ob Rondo sich da nicht zu viel vorgenommen hat, haben wir mal genauer unter die Lupe genommen.

Der Rahmen bietet genug Platz um 650b und sogar Laufräder mit 47mm Breite montiert werden können
Platz für dicke Schlappen, mit 650b Laufrädern können sogar 47 mm breite Reifen montiert werden.

Rahmen und Geometrie

Der Rahmen des Rondo HVRT ST besteht, wie der Name es vermuten lässt, aus Stahl. Nun ist Stahl nicht gleich Stahl. Die Basis des HVRT besteht aus zweifach konifizierten Rohren des Herstellers Tange. Damit besitzt das Gravelbik eine stabile und komfortable (Stahl absorbiert Stöße besser als die meisten anderen Materialien) Grundlage. Durch die Vario-Geometrie lässt es sich sportlicher oder eben komfortabler auf dem Rad sitzen. Steht das FlipChip-System auf „Lo“, verändern sich Lenk- und Sitzwinkel sowie die Höhe des Cockpits. Dadurch sitzt man merklich aufrechter und entspannter. Dreht man das „TWINTIP“ System anders herum (auf Hi), ist man eher sportlicher unterwegs. Da das Rondo HVRT ST im Grunde als Gravelbike konzipiert wurde, sind beide Positionen weniger aggressiv als bei klassischen Racebikes. Natürlich gibt es weitere Möglichkeiten, das Fahrrad komfortabler oder eben schneller zu machen, etwa durch das Wechseln des Vorbaus.

Zweifach konifizierter Stahl von Tange liefert Komfort
Only steel is real. Zweifach konifizierter Stahl aus dem Hause Tange sorgt für Komfort.
Farbliches Design und Ösen für Gepäckträger und Schutzblecht bietet das Rondo HVRT ebenfalls
Kleine Farbtupfer und Ösen für Gepäckträger und Schutzbleche runden das Gesamtbild ab.

Den Rahmen ziert ein wirklich schöner himmel-blauer Metallic-Lack. Die schlichte Schönheit wird nicht durch irgendwelche aufgedruckten Decals gestört, mit Ausnahme weniger kleiner Farbtupfer, wie das Rondo-Logo an der Vorderseite. Dieses Zeichen fügt sich stimmig in das Farbkonzept des Rades in Kombination mit der Starrgabel ein. Außerdem weist der Rahmen noch verschiedene Ösen auf, um die Möglichkeit bereitzustellen, nachträglich Schutzbleche oder einen Gepäckträger zu installieren. Praktisch, denn so kann man das Rad auch zum Pendeln oder für den Transport von mehr Gepäcktaschen benutzen.

Schöner Lack, die Optik des Rondo mit dem etwas extravaganten Farbkonzept
Schöner Lack, die Optik des Rondo mit dem etwas extravaganten Farbkonzept konnte uns gefallen.
Carbongabel rundet das Gesamtbild ab
Die Carbongabel fügt sich ebenfalls super ins Gesamtbild ein.

Anbauteile

Damit das Rondo HVRT ST auch wirklich universell einsetzbar ist, entschied man sich für einen Shimano-Antrieb der 105er Serie. Mit dieser Wahl beweist Rondo ebenso einen Blick für eine preisbewusste Ausstattung, wie für ein super Gewichts-/Performance-Verhältnis. Das heißt: Es gibt eine zuverlässige, robuste Schalteinheit mit zwei Kettenblättern an der Kurbel und elf Ritzeln am Hinterrad. Die hydraulischen Scheibenbremsen sind ebenfalls aus dem Hause Shimano. Vorn ist dabei der Bremscheibendurchmesser mit 160, hinten mit 140 mm bemessen. Die Gabel besteht aus Carbon und wirkt wie aus einem Guss, was dadurch verstärkt wird, dass die vordere Bremsleitung dezent im Inneren verlegt ist. Die Kontaktteile sind von Easton (Lenker) und Fabric (Sattel). Der Vorbau kommt aus dem eigenen Hause, ebenso alle Teile der Aluminium-Laufräder. Gefahren wird auf 28 mm breiten Reifen von Michelin. Insgesamt kommt das Fahrrad somit auf ein Gewicht von knapp unter zehn Kilogramm (genaugenommen 9,8 kg).

105er Schaltung von Shimano
Absolut stabil und zuverlässig: Die 105er Schaltung aus dem Hause Shimano.
Hydraulische Scheibenbremse von Shimano
Hydraulische Scheibenbremsen, ebenfalls von Shimano, sorgen für angemessene Entschleunigung.

Fahreindruck

Zuerst haben wir uns auf Mallorca auf die Suche nach den staubigen, sandigen und zum Teil stark felsigen Gravelrouten gemacht. Denn immerhin ist das Rondo HVRT ST vom Wesen her ein Gravelbike und will auch so bewegt werden. Zu diesem Anlass tauschten wir die mitgelieferten 28 Zoll Laufräder gegen 27,5er mit 47 mm breiten Reifen der Marke Panaracer. Trotzdem ließen wir den FlipChip auf der Raceposition (Hi). Mit diesem Setup hatten wir ein verdammt sportliches Gravelbike zum flotten Pedalieren.

Die breiten Reifen sorgten für noch mehr Komfort, der generell – dank komfortablem Stahlrahmen – schon hoch ist. Trotz der (im Vergleich zur Lo-Position) sportlicheren Sitzposition ergibt sich so ein sehr angenehmes Fahrgefühl. So freuten wir uns über das schnelle Vorankommen, trotz der vielen Buckelpisten und großen Steine auf dem Boden. Dies änderte sich allerdings merklich, sobald wir mal kurz auf Asphalt unterwegs waren. Denn die dicken und wenig aufgepumpten Pneus waren auf der Straße deutlich spürbar. Da wir aber sowieso im gemütlichen Modus unterwegs waren und auch mal ein kleine Rollpause zwischen den harten Graveleinheiten brauchten, empfanden wir das nicht als störend.

Auf allen Untergründen überzeugt das Rondo HVRT
Auch sandige Wege brachten uns nicht aus dem (Wiege-)Tritt.
Felsige Trails fordern andere Skills als das pure Rennradfahren
Bei manch felsigen Abschnitten hingegen mussten wir alle Skills auspacken. So viele man eben als Rennradler haben kann…

Sobald wir den schwarzen Straßenbelag verlassen hatten, konnten wir die Stärken des Rondos deutlicher spüren als zuvor. Selbst verwinkelte Trails fuhren wir selbstbewusst und dazu noch ziemlich schnell. Das Fahrrad machte abseits der Straßen einfach nur Spaß und wir bekamen Bock, die Trails nochmal hochzufahren, um sie erneut runter zu brettern. Mit einem Hardtail-Mountainbike wären wir nicht viel schneller unterwegs gewesen und hätten garantiert nicht weniger Vergnügen gehabt. Auf den Verbindungsstraßen zwischen den einzelnen Trailabschnitten waren wir richtig froh, auf einem Gravel- und nicht auf einem Mountainbike zu sitzen. Das Rondo konnte also Offroad mehr als überzeugen – egal, ob wir auf lockeren Feldwegen oder Singletrails unterwegs waren. Aber wie fährt es sich auf der Straße und im entsprechenden Road-Setup?

Breite Reifen auf der Straße etwas schwammig aber trotzdem entspannt
Auf der Straße fühlten sich die breiten Reifen zwar etwas schwammig, aber trotzdem irgendwie entspannt an.

Damit das Rondo HVRT ST auch wirklich universell einsetzbar ist, entschied man sich für einen Shimano-Antrieb der 105er Serie. Mit dieser Wahl beweist Rondo ebenso einen Blick für eine preisbewusste Ausstattung, wie für ein super Gewichts-/Performance-Verhältnis. Das heißt: Es gibt eine zuverlässige, robuste Schalteinheit mit zwei Kettenblättern an der Kurbel und elf Ritzeln am Hinterrad. Die hydraulischen Scheibenbremsen sind ebenfalls aus dem Hause Shimano. Vorn ist dabei der Bremscheibendurchmesser mit 160, hinten mit 140 mm bemessen. Die Gabel besteht aus Carbon und wirkt wie aus einem Guss, was dadurch verstärkt wird, dass die vordere Bremsleitung dezent im Inneren verlegt ist. Die Kontaktteile sind von Easton (Lenker) und Fabric (Sattel). Der Vorbau kommt aus dem eigenen Hause, ebenso alle Teile der Aluminium-Laufräder. Gefahren wird auf 28 mm breiten Reifen von Michelin. Insgesamt kommt das Fahrrad somit auf ein Gewicht von knapp unter zehn Kilogramm (genaugenommen 9,8 kg).

Schnelle Abfahrten auf der Straße sind gewöhnungsbedürftig
Da mussten wir uns erstmal wieder dran gewöhnen, schnelle Abfahrten auf der Straße.

Um das richtig zu testen, fuhren wir mit dem Rad in den Norden Mallorcas, also ins Gebirge, mit vielen Kehren und Höhenmetern. Vor unserer Abfahrt haben wir aber noch die Laufräder gewechselt. Die 27,5er ließen wir in der Finca und die mitgelieferten 28er packten wir ans Rad. So schnell wird also aus einem Gravelbike ein Rennrad. Denn sonst bedarf es keiner weiteren Änderungen. In den Bergen angekommen, kurbelten wir uns dann durch das Serra de Tramuntana Gebirge. Zuerst war es etwas ungewohnt. Das Fahrgefühl, der Blick nach unten und der dauerhaft gleiche Untergrund waren uns nach all der Gravelei nicht mehr so vertraut, wie noch vor wenigen Wochen, als wir in Deutschland über die Asphaltpisten der Republik bügelten.

Mallorca bietet auch auf den Straßen viele Highlights
Auch auf der Straße gibt es einige Highlights zu entdecken, zumindest auf Mallorca.

Aber sehr schnell hatten wir uns wieder daran gewöhnt, viele Kilometer zu machen und an das meditative Fahrerlebnis, den Rhythmus der Straße. Neben den ganzen Bergpassagen fuhren wir auch in der Ebene auf den malerischen Küstenstraßen umher. Der mitgelieferte Laufradsatz ist ziemlich stabil und dadurch kein Leichtgewicht. Das Rollverhalten ist super, an den vielen Anstiegen merkten wir den Unterschied zu ultra-leicht Laufradsätzen. Aber kleine Kompromisse kann man hinsichtlich eines durchaus fairen Preises absolut in Kauf nehmen und wer alles aus seinem Rad herausholen möchte, kann immer noch in einen Leichtbau-Laufradsatz investieren.

Auch mit dem Road-Setup hatten wir also viel Spaß auf unseren Touren. Denn wenn man erstmal im Rollmodus einer ausgiebigen Tour angekommen ist, stören einen die paar Gramm mehr am Laufrad auch nicht mehr. Und überhaupt, nur durch das Rondo war es uns möglich eben sowohl die Schotterpisten der Insel, als auch die Asphaltwege zu erschließen. Was nützen einem da ein paar Gramm weniger?

Die schweren Laufräder machen sich bergauf bemerkbar
Bergauf merkten wir die relativ schweren Laufräder.

Auch im Rennradmodus können wir absolut nichts Negatives berichten. Obwohl durch die dünneren Reifen ein Komfortfaktor weggefallen ist, hatten wir keine Probleme und fühlten uns auch nach vielen Kilometern auf dem Rad immer noch wohl. Der Stahlrahmen schluckte viele Schläge und die 28 mm breiten Reifen schafften den Rest. Für Bikepacking-Abenteuer ist das Fahrrad ebenfalls geeignet. Denn da spielen Gewichtsreduktion und Systemmasse keine Rolle. Viel wichtiger bei solchen Unternehmungen ist der Komfort, da man ja viele viele Stunden auf dem Rad sitzt.
Bei den Abfahrten konnten wir uns ordentlich in die Kurve legen, ohne Angst haben zu müssen, wegzurutschen. Dafür sorgten auch die hydraulischen Scheibenbremsen. Diese sorgten wie auf den Trails auch auf der Straße für ein kräftiges und kontrolliertes Entschleunigsverhalten. Eine ebenfalls sehr gute Einschätzung können wir über die 105er Schaltung treffen. Diese tat ihren Dienst ohne zu stottern, zu springen oder anderweitig aufzufallen, ganz so, wie man das sich wünscht. Die Übersetzungsbreite war für alle Situation absolut ausreichend. Es gab keine Situation, in der wir uns einen Gang mehr gewünscht hätten.

Bergab läuft das Rondo HVRT einwandfrei
Bergab dann nicht mehr.

Fazit

Ein Fahrrad wie ein Chamäleon, das will das Rondo HVRT ST sein und genau das ist es auch. Es ist an viele Situationen und Umgebungen mit wenigen Handgriffen anpassbar. Die Vielseitigkeit welche sich durch die unterschiedlichen Laufräder und den FlipChip ergibt, macht das Rad zu einem absoluten Highlight. Durch den Stahlrahmen ergibt sich ein spürbarer Komfortgewinn und durch die Möglichkeit, Schutzbleche und einen Gepäckträger anzubringen, ist es ein Fahrrad, das man das ganze Jahr über auf der Straße und daneben fahren kann.

Offroad ist das Rondo HVRT am liebsten
Da fühlt sich das HVRT ST definitiv am wohlsten, im unwegsamen Gelände.

Infobox

Name:Rondo HVRT ST
Einsatzgebiet:Gravel, Straße
Gewicht:9,8 Kg
Preis:€ 2.399,-
Link zum Hersteller:Rondo
Link zum Shop:Rondo HVRT ST