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Ein Radjournal von Brügelmann

Cannondale Topstone Carbon
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Biketest: Das neue Cannondale Topstone Carbon Gravelbike

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Biketest: Das neue Cannondale Topstone Carbon Gravelbike

Das 2020er Topstone Carbon soll, so Cannondale, das komfortabelste Rennrad der Welt sein – auf der Straße und abseits davon. Wir sind den neu vorgestellten, gefederten Renner bereits für euch gefahren.

redaktion 28. Juni 2019 6 min.

Ein Rennrad mit Federung? Ihr hört richtig. Das neue Topstone Carbon soll, so Cannondale, das komfortabelste Rennrad der Welt sein – auf der Straße und sogar abseits davon. Warum man diese Federung namens KingPin eigentlich gar nicht sieht und wie das Ganze funktioniert, haben wir hinterfragt und gleichzeitig eine erste Probefahrt mit Cannondale’s neuem Gravelbike absolviert. Hier ist unser erster Testbericht.

Allgemeine Bike Infos

Grundsätzlich ist das Cannondale Topstone bereits bekannt. Allerdings waren die Bikes dieser Modellreihe bislang aus Aluminium und eher im günstigeren Gravelbike-Segment platziert. Mit dem Topstone Carbon ändert sich eine ganze Menge.

Der Rahmen wurde völlig neu konstruiert und in Sachen Ausstattung gab es eine ordentliche Portion Highend obendrauf. Cannondale zieht sozusagen alle Know-How-Register und präsentiert ein Gravelbike der Oberklasse.

Alle Cannondale Topstone Modelle jetzt schon Shop

Es gibt vier Modelle für Männer, die sich im Rahmendesign und in der Ausstattung unterscheiden. Das von uns getestete Topmodell Force eTap AXS kostet 5.499 Euro, darunter angesiedelt sind die Modelle Ultegra RX (3.799 Euro), Ultegra RX2 (2.999 Euro) und 105 (2.499 Euro). Außerdem gibt es ein Modell für Frauen: Das Women’s Ultegra RX kostet 2.999 Euro.

Die Rahmengeometrie orientiert sich an Cannondales Endurance-Rennrad Synapse. Rahmen und Gabel nehmen bis zu 40 mm breite Reifen auf (700C), beziehungsweise bis zu 48 mm breite Reifen bei 650b-Laufrädern. Es sind allerlei Gewindeösen vorhanden, sodass sich drei Flaschenhalter, eine Oberrohrtasche, Schutzbleche und sogar ein Front-Gepäckträger montieren lassen. Schöne Details runden das Ganze ab. Eine durchdachte integrierte Zugverlegung zum Beispiel. Spezielle Leitungskanäle im Inneren des Rahmens ermöglichen einen unkomplizierten Austausch sämtlicher innen verlegter Züge. Der Rahmen hat eine integrierte, nahezu unsichtbare Sattelklemmung und auf Wunsch lässt sich eine verstellbare Sattelstütze montieren („Dropper Post“). Cannondale’s „Speed Release“ Steckachssystem ermöglicht einen sehr schnellen Laufradwechsel – beinahe wie mit herkömmlichen Schnellspannern. Cannondale’s „SAVE“ Lenker und Sattelstütze bringen zusätzlichen Komfort. Viel Liebe zum Detail – doch das ist noch nicht alles.

Besonders zu erwähnen ist noch die neue Cannondale App. Gemeinsam mit GPS-Spezialist Garmin hat Cannondale einen Sensor entwickelt, der sich vorn an der Nabe befindet, und der sämtliche Daten einer Fahrt speichert und auf Wunsch per Bluetooth oder ANT+ aufs Telefon und somit in die neue Cannondale-App sendet. Doch die App trackt nicht nur, sie kann noch mehr. So stellt sie viele technische Infos bereit, wie zum Beispiel alle Handbücher, die zum Rad gehören. Besonders cool ist eine „Scan“-Funktion: Du visierst einfach dein zuvor mit der App gekoppeltes Fahrrad per Handycam an und sofort erkennt die App die einzelnen Bauteile. Wenn du mit der Kamera nahe an das KingPin-Lager gehst, erkennt die App zum Beispiel, welches Lager verbaut ist und spuckt diese Info samt Ersatzteilbestellnummer aus. Zudem kannst du dir die Funktion von KingPin erklären lassen. So brauchst du nie wieder im Internet zu suchen, wenn du mal Infos oder das passende Ersatzteil suchst.

Geometrie

XSSMMDLGXL
Sitzrohr410 mm458 mm505 mm553 mm600 mm
Oberrohr
(horizontal)
525 mm544 mm561 mm579 mm596 mm
Lenkwinkel70°71,2°71,2°71,2°71,2°
Sitzwinkel73,1°73,1°73,1°73,1°73,1°
Überstand715 mm761 mm803 mm843 mm885 mm
Steuerrohr97 mm131 mm165 mm198 mm232 mm
Radstand999 mm1010 mm1030 mm1040 mm1060 mm
Kettenstreben415 mm415 mm415 mm415 mm415 mm
Tretlager
Absenkung
69 mm64 mm61 mm61 mm59 mm
Reach368 mm377 mm385 mm394 mm402 mm
Stack518 mm549 mm579 mm610 mm640 mm

KingPin-Federung

Cannondale’s KingPin-Federung ist ganz besonders. Denn im Grunde sieht man sie gar nicht und es gibt auch keine Federelemente im herkömmlichen Sinn. Stattdessen ist der Rahmen quasi selbst das Federelement – Carbon macht’s möglich. Dessen Gewebeschichten lassen sich nämlich derart verarbeiten, dass man genau die Eigenschaften bezüglich Steifigkeit und Stabilität erreicht, die man haben möchte. Carbon ist diesbezüglich deutlich variabler, als Stahl oder Aluminium. Im Falle KingPin bedeutet das: Schläge von unten werden gedämpft, im Antritt soll es dagegen bocksteif sein.

Mit anderen Worten: Der Rahmen selbst ist in verschiedenen Bereichen (z.B. Sitzstreben, hinterer Bereich vom Oberrohr, Sitzrohr) so nachgiebig, dass sich laut Cannondale drei Zentimeter Federweg ergeben. Die beweglich am Sitzrohr gelagerten Sitzstreben machen diese Nachgiebigkeit erst möglich. Dennoch soll der Rahmen in alle anderen Richtungen ausgesprochen steif sein. Falls ihr euch Sorgen machen solltet, ob Carbon dauerhaft solchen Verwindungen standhält – wir erinnern uns zurück ans Cannondale Scalpel Carbon 29 aus dem Jahr 2011. Dessen Hinterbau hatte 65 mm Federweg – aber keine definierten Drehpunkte am Hinterbau. Stattdessen flexten die Kettenstreben – und zwar ohne Probleme. Übrigens ist jede Rahmengröße anders ausgelegt, damit große/schwere Fahrer dasselbe Fahrgefühl genießen können, wie kleine/leichte.

Fahreindruck

Und wie fährt sich nun ein gefedertes Dropbar-Bike? Wir sind super gespannt, als wir uns auf unsere Probefahrt begeben. Und werden umgehend überrascht: Dieses Fahrrad ist wirklich komfortabel. Vom Schlagloch auf der Landstraße bis zur Wurzel auf dem Waldtrail – so entspannt sind wir noch nie über typisches Gravel-Terrain gegleitet. Mindestens genauso bemerkenswert ist aber das veränderte Handling, das sich durch diesen Flex ergibt. Das Rad reagiert wesentlich agiler auf Gewichtsverlagerungen des Fahrers, insbesondere beim Springen. Das Überspringen von kleinen Hindernissen, wie zum Beispiel Wurzeln oder auch ein umgeknickter Ast, ist uns mit dem neuen Topstone Carbon spielend leicht gefallen. Klar, auf der Straße ist das neue Cannondale keine hocheffiziente Rennmaschine – dennoch geht es spritzig nach vorn und holt, trotz breiter Reifen und viel Flex, alles aus den Waden seines Fahrers heraus, sodass auch schnelle Fahrten auf Asphalt viel Spaß machen.

Die Ausstattung des Top Modells gibt wenig Raum zum Meckern. Vor allem SRAM’s Force eTap AXS Schaltung markiert wohl gerade die Marke dessen, was geht. Die Schaltvorgänge sind seidenweich, definiert und man benötigt quasi gar keine Kraft, um die Schalthebel zu betätigen. Zudem ist die ganz eigene Schaltlogik sehr intuitiv: Mit Rechts schaltet man nach rechts (also aufs kleinere Ritzel), mit Links umgekehrt. Drückt man beide Schalthebel gleichzeitig, wechselt man vorn das Kettenblatt. Wem das so gar nicht gefällt, der kann die Hebel selbst konfigurieren – ebenfalls per Smartphone mit der AXS-App von SRAM. Faszinierend ist die Tatsache, dass diese Schaltung völlig ohne Züge auskommt – dafür hat jedes Bauteil einen Akku (Umwerfer/Schaltwerk) beziehungsweise kleine Knopfzellen (Schalthebel). Mindestens 1.000 Kilometer weit soll eine Batterieladung laut SRAM reichen.

Unser Fazit:

Hightech in seiner schönsten Form! Cannondale hat vier Jahre lang daran herum getüftelt, um die neuesten Technologien so zu bündeln, dass daraus vor allem eines wird: purer Fahrspaß. Das neue Topstone Carbon ist ein wahnsinnig komfortables, unglaublich vielseitiges Dropbarbike, das auf der Straße und auch abseits davon Maßstäbe setzt. Ob kurzer, spaßorientierter Feierabend-Ride oder tagelanges Bikepacking-Abenteuer – mit Cannondale’s neuem Topstone Carbon ist das alles möglich. Die Ausstattung des Topmodells setzt dem Ganzen die Krone auf. Wer es günstiger mag, sollte sich unbedingt die anderen, preislich attraktiven Modelle anschauen.